Nach ihrem ersten Semester an der SHL wagte Eloisa Amberg den Schritt ins Ausland und begann ihr Praktikum im Mandarin Oriental Ritz in Madrid, wo sie als F&B‑Trainee im Palm Court und weiteren Outlets tätig ist. In der Welt der Luxushotellerie erfährt sie hautnah, wie Service, Teamarbeit und Liebe zum Detail zusammenwirken und das Gästeerlebnis prägen.
Im Interview spricht sie über ihre Entscheidung für das Ritz, die kulturellen Erfahrungen in Spanien und die Fähigkeiten, die sie auf ihrem Weg zur zukünftigen Hotelmanagerin entwickelt.
Ich habe mich für das Mandarin Oriental Ritz, Madrid entschieden, wegen seiner beeindruckenden Geschichte und seines hervorragenden Rufs. Die Philosophie der Marke hat mich inspiriert – besonders das asiatische Erbe, die starke Liebe zum Detail und der personalisierte Gästeservice. Zudem wurde Mandarin Oriental von LTI (Luxury Travel Intelligence) im Jahr 2025 bereits zum dritten Mal in Folge als weltweit führende Luxus‑Hotelmarke ausgezeichnet.
Ein weiterer wichtiger Grund war der Standort. Ich wollte mein Praktikum in Spanien machen, weil ich unbedingt mein Spanisch verbessern und eine neue Kultur erleben wollte.
Ich habe mich für den Service und nicht für die Küche entschieden, weil mir der direkte Kontakt mit Menschen Freude macht. Für meine zukünftige Karriere als Hotelmanagerin ist es mir wichtig, den Bereich zu verstehen, den die Gäste direkt erleben – also den Frontbereich des Hotels.
Mein Ziel ist es, Hotelmanagerin zu werden, und ich bin überzeugt, dass Restaurants ein wichtiger Teil der Identität eines Hotels sind. Dieses Praktikum ermöglicht es mir, die operative Seite eines Hotels besser zu verstehen. Zudem sehe ich durch die Arbeit in verschiedenen Outlets, wie jedes Restaurant sein eigenes Konzept, seine eigene Atmosphäre, seine eigenen Standards und seinen eigenen Serviceansatz hat. Selbst im gleichen Outlet kann der Service je nach Tageszeit unterschiedlich sein.
Ich glaube, dass mir diese Erfahrung in Zukunft sehr helfen wird, weil ich nicht nur die Theorie kenne, sondern auch die tägliche Realität des Service.
Dies ist meine erste Arbeitserfahrung im Bereich Food & Beverage, aber nicht meine erste Erfahrung in der Hotellerie. Vor diesem Praktikum habe ich während neun Sommern an der Rezeption des Camping Campofelice in Tenero, Schweiz, gearbeitet.
Die Erfahrung ist sehr unterschiedlich. Campofelice ist ein Fünf‑Sterne‑Campingdorf mit hoher Anerkennung auf europäischer Ebene, aber die Atmosphäre ist viel familienorientierter. Das Mandarin Oriental Ritz hingegen ist ein internationales Luxushotel mit sehr hohen Standards und einem völlig anderen Gästetyp.
Ein weiterer grosser Unterschied ist die Rolle selbst. An der Rezeption war ich hauptsächlich mit Check‑ins, Informationsvermittlung und dem Erfüllen von Gästewünschen beschäftigt. Als Servicemitarbeiterin und Hostess bin ich viel direkter in das Gästeerlebnis, die Stimmung im Restaurant und all die kleinen Details eingebunden, die dafür sorgen, dass sich Gäste willkommen fühlen.
Im Ritz habe ich zudem die Möglichkeit, viele bekannte und wichtige Gäste zu treffen, darunter Politiker und prominente Persönlichkeiten, was die Umgebung noch spezieller macht.
Am meisten freue ich mich darauf, selbstbewusster, unabhängiger und proaktiver in einem Luxus‑Hotelumfeld zu werden. Ich möchte meine Fähigkeit verbessern, in jeder Situation zu erkennen, was zu tun ist, und Prioritäten richtig zu setzen.
Ich möchte auch meine Fähigkeit weiterentwickeln, den «Raum zu lesen»: die Bedürfnisse der Gäste zu erkennen, kleine Details wahrzunehmen und zu wissen, wann man präsent sein sollte und wann man den Gästen mehr Privatsphäre lässt. Gerade in der Luxushotellerie ist es wichtig, dass der Service natürlich, elegant und persönlich wirkt.
Am Ende des Praktikums möchte ich mich professioneller fühlen, sicherer auf Spanisch kommunizieren und besser auf zukünftige Führungsrollen vorbereitet sein.
Am meisten überrascht hat mich, wie viel Teamarbeit nötig ist – nicht nur innerhalb des Restaurantteams, sondern vor allem mit anderen Abteilungen.
Zum Beispiel bereiten die Mitarbeitenden der Bar Pictura und Jardin unsere Cocktails zu, die Florist*innen gestalten alle Blumen für die Restaurants und Zimmer, und die Pâtisserie bereitet spezielle Geburtstagsgeschenke für Gäste vor.
Als Gast sieht man nur das Endergebnis, aber hinter jedem kleinen Detail stehen oft viele Menschen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig die Kommunikation zwischen den Abteilungen in einem Luxushotel ist.
Ich würde meinem jüngeren Ich sagen, mutig zu sein und es einfach zu wagen. In ein anderes Land zu ziehen und eine neue Erfahrung zu beginnen, kann am Anfang einschüchternd sein, aber es ist eine der besten Möglichkeiten, zu wachsen.
Man lernt eine neue Sprache, entdeckt eine neue Kultur, findet neue Freunde und wird offener. Und genau das bereichert einen weit über die berufliche Zukunft hinaus.
Ich würde mir auch sagen, keine Angst vor Fehlern zu haben. Fehler gehören zum Lernprozess – besonders wenn man in einer neuen Sprache und in einem völlig neuen Umfeld arbeitet.
Ein Aspekt, über den ich vorher kaum nachgedacht hatte, ist, dass ich oft sehr bekannte Gäste treffe. Aus Diskretionsgründen kann ich keine Details nennen, aber es ist beeindruckend, Menschen zu bedienen, die man sonst nur aus den Medien kennt.
Das hat mir noch stärker bewusst gemacht, wie wichtig Diskretion, Professionalität und ein natürlicher Service in der Luxushotellerie sind.
Ein weiterer inspirierender Moment war die Teilnahme an einem Meeting, das von unserem F&B‑Direktor Enrico Petrella und unserem Culinary Director, dem Drei‑Michelin‑Sterne‑Koch Quique Dacosta, geleitet wurde. Sie präsentierten die Vision für die zukünftige Entwicklung des Palm Court.
Am meisten schätze ich im Palm Court das Team. Es gehört zu den erfahrensten Teams im Hotel, und viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit 20 oder sogar 30 Jahren dort.
Sie wissen unglaublich viel über das Hotel, die Gäste und die Geschichte. Ich finde es sehr spannend, ihren Erzählungen zuzuhören – wie das Hotel früher war und wie es sich nach dem Wechsel zu Mandarin Oriental verändert hat.
Es fühlt sich auch wie eine grosse Familie an. Man hilft sich gegenseitig, und ich weiss, dass ich nicht nur mit beruflichen Fragen, sondern manchmal auch mit persönlichen Anliegen zu ihnen kommen kann. Das macht das Arbeitsumfeld sehr unterstützend.
Als Praktikantin schätze ich mich sehr glücklich, von so erfahrenen und hilfsbereiten Kolleginnen und Kollegen umgeben zu sein. Sie geben mir Verantwortung, lassen mich Teil des Teams sein und motivieren mich, jeden Tag weiterzulernen. Dafür bin ich sehr dankbar – sie sind einer der Gründe, warum dieses Praktikum für mich so positiv ist.
Ein weiterer Aspekt, den ich sehr schätze, ist, dass das HR‑Team Workshops und Aktivitäten für Praktikant*innen organisiert. Diese Momente sind eine tolle Gelegenheit, etwas Neues zu lernen und gleichzeitig Zeit mit Praktikant*innen aus anderen Abteilungen zu verbringen. Wir hatten zum Beispiel einen mexikanischen Kochkurs, eine Weinverkostung, einen Cocktail‑Workshop und vieles mehr.
Die Fähigkeit, die ich während des Praktikums am stärksten verbessert habe, ist mein Spanisch. Die tägliche Zusammenarbeit mit spanischsprachigen Kolleginnen, Kollegen und Gästen hat mir geholfen, mich viel schneller zu verbessern, als ich erwartet hätte.
Ich habe auch meine Kommunikationsfähigkeiten und mein Selbstvertrauen im Umgang mit Gästen weiterentwickelt. Am Anfang war ich manchmal schüchtern oder unsicher, aber inzwischen fühle ich mich viel wohler, wenn ich Gäste anspreche, Fragen beantworte oder verschiedene Situationen meistere.
Eine weitere wichtige Fähigkeit ist meine Aufmerksamkeit fürs Detail. In der Luxushotellerie hat jedes noch so kleine Element Bedeutung – vom sorgfältigen Tischaufbau bis zur Art der Kommunikation mit Gästen. Ich war schon vorher sehr detailorientiert, aber dieses Praktikum hat mein Bewusstsein dafür nochmals geschärft.
Ich habe auch meine Anpassungsfähigkeit weiterentwickelt. Als Schweizerin in Spanien arbeite ich in einer neuen Kultur, bei viel heisserem Klima und in unterschiedlichen Outlets. Diese Erfahrung hat mich gelehrt, mich schnell auf neue Situationen einzustellen und flexibel zu bleiben.
Die SHL hat mich vor allem mit der Jobbörse unterstützt, wo ich Praktikumsmöglichkeiten in Hotels auf der ganzen Welt entdecken konnte – darunter auch international anerkannte Luxusmarken. Das hat mir den Mut gegeben, mich beim Mandarin Oriental zu bewerben, einem Unternehmen, das ich zuvor als unerreichbar empfunden hatte.
Ausserdem hat mir die Schule bei meinem Lebenslauf und meinen Bewerbungsunterlagen geholfen, und wann immer ich Fragen hatte, standen sie mir zur Seite. Diese Unterstützung hat mir Sicherheit gegeben und mich gut auf eine internationale Bewerbung vorbereitet.
Eine Aufgabe, an der ich gearbeitet habe, war die Erstellung einer Service‑Order‑Checkliste. Durch die Entwicklung dieser Liste habe ich die Serviceabfolge besser verstanden und gesehen, wie die einzelnen Schritte miteinander verbunden sind – inklusive der erwarteten Zeiten für jede Phase.
Eine weitere wertvolle Erfahrung war die Arbeit als Hostess im Palm Court während besonders geschäftiger Zeiten, bei der ich Reservationen verwaltet und den Gästefluss koordiniert habe. Diese Rolle erfordert ständige Aufmerksamkeit für die Auslastung und schnelle Entscheidungen, um Gästewünsche und operative Grenzen in Balance zu halten.
Stolz macht mich auch, dass ich manchmal neuen Trainees oder zusätzlichen Mitarbeitenden, die uns an starken Tagen unterstützen, Abläufe und tägliche Prozesse erkläre. Ausserdem übernehme ich oft die Verantwortung, die Mise en Place während des Tages zu kontrollieren, damit alle Stationen trotz des kontinuierlichen Servicebetriebs vorbereitet und gut bestückt bleiben.
Diese Aufgaben sind vielleicht eher operativ, aber sie haben mir gezeigt, wie sehr kleine Details und gute Organisation die Effizienz und das Gästeerlebnis beeinflussen.